von Kai-Uwe Jobst / Bürgerforum Stuhr
Wer regelmäßig in Stuhr unterwegs ist, kennt die Situation: Morgens auf dem Weg zur Arbeit oder nachmittags auf dem Heimweg reicht oft ein kleiner Stau auf der A1 – und schon stehen auch die Straßen in unserer Gemeinde still. Besonders deutlich wird das an der Kreuzung B322 / Harpstedter Straße in Groß Mackenstedt. Der Rückstau reicht dort nicht selten bis auf die Autobahn zurück. Für Pendler, Anwohner und Unternehmen bedeutet das jeden Tag Zeitverlust, Stress und unnötige Umweltbelastung.
Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis eines Verkehrsaufkommens, das sich in den vergangenen Jahren massiv verändert hat. Die Gemeinde Stuhr liegt an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Norddeutschlands. Mit der A1, der Nähe zur A28, den Bundesstraßen und den zahlreichen Gewerbegebieten treffen hier täglich tausende Fahrzeuge aufeinander. Kommt es auf der Autobahn zu einem Unfall oder stockendem Verkehr, verlagern sich die Verkehrsströme unmittelbar in unsere Ortsteile. Unsere Gemeindestraßen werden dann zu Ausweichrouten – mit allen Folgen für die Menschen, die hier leben.
Ein Verkehrskonzept aus einer anderen Zeit
Viele Verkehrsregelungen in Stuhr stammen aus einer Zeit, in der das Verkehrsaufkommen deutlich geringer war. Heute stehen wir vor völlig neuen Herausforderungen.
Staus entstehen nicht nur auf den Hauptstraßen. Sie setzen sich durch die gesamte Gemeinde fort. Pendler verlieren täglich wertvolle Zeit. Lieferverkehre verzögern sich. Rettungsfahrzeuge müssen sich durch stehende Kolonnen kämpfen. Gleichzeitig steigt die Belastung für Anwohner durch Lärm und Abgase.
Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren Maßnahmen umgesetzt wurden, die bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf Unverständnis stoßen. Fahrradverkehr soll stärker auf die Fahrbahn verlagert werden, während bestehende Radwege teilweise nicht ausreichend instand gehalten werden. Gleichzeitig werden weitere Tempo-30-Regelungen diskutiert oder eingeführt.
Dabei geht es nicht um die Frage, ob Fahrradfahrer geschützt werden sollen – selbstverständlich müssen sie geschützt werden. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie erreichen wir dieses Ziel sinnvoll und sicher?
Verkehrspolitik darf keine Ideologie sein
Aus Sicht des Bürgerforums Stuhr braucht Verkehrspolitik einen neuen Ansatz. Entscheidungen sollten sich nicht an ideologischen Vorstellungen orientieren, sondern an den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort.
Stuhr ist keine Großstadt mit einem engmaschigen Straßenbahn- und U-Bahn-Netz. Stuhr ist eine Flächengemeinde mit vielen Berufspendlern, Handwerksbetrieben, mittelständischen Unternehmen und Familien, die täglich auf das Auto angewiesen sind. Gleichzeitig wollen wir sichere Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer schaffen.
Deshalb darf Verkehrspolitik nicht einzelne Gruppen gegeneinander ausspielen. Unser Ziel ist ein Konzept, das alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt:
• Autofahrer,
• Radfahrer,
• Fußgänger,
• Busverkehr,
• Wirtschaftsverkehr,
• Rettungsdienste.
Nur wenn alle Interessen gemeinsam betrachtet werden, entstehen tragfähige Lösungen.
Moderne Technik statt Dauerstau
Während vielerorts noch über neue Verkehrsverbote diskutiert wird, setzen andere Städte längst auf moderne Technologien.
Intelligente Ampelanlagen – häufig als „KI-Ampeln“ bezeichnet – analysieren den Verkehr in Echtzeit. Sie erkennen Rückstaus, messen Verkehrsströme und passen die Grünphasen automatisch an die aktuelle Situation an.
Anders als klassische Ampeln arbeiten sie nicht mit starren Zeitprogrammen, sondern reagieren dynamisch auf das tatsächliche Verkehrsaufkommen.
Das bedeutet beispielsweise:
• längere Grünphasen bei hohem Verkehrsaufkommen,
• schnellere Reaktion auf Rückstaus,
• bessere Koordination mehrerer Kreuzungen,
• Vorrangschaltungen für Rettungsfahrzeuge,
• geringere Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer.
Das Ergebnis sind flüssigerer Verkehr, weniger Stop-and-Go, geringere Emissionen und eine höhere Verkehrssicherheit.
Ein Pilotprojekt für Groß Mackenstedt
Aus Sicht des Bürgerforums Stuhr eignet sich insbesondere die Kreuzung B322 / Harpstedter Straße hervorragend für ein Pilotprojekt.
Kaum eine andere Kreuzung zeigt so deutlich, wie stark die Verkehrsbelastung in unserer Gemeinde inzwischen geworden ist. Gerade in den Hauptverkehrszeiten oder bei Störungen auf der Autobahn entstehen dort regelmäßig erhebliche Rückstaus.
Wir möchten deshalb erreichen, dass gemeinsam mit der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr geprüft wird,
• wie sich die tatsächlichen Verkehrsströme entwickelt haben,
• ob die bestehende Ampelsteuerung noch den heutigen Anforderungen entspricht,
• und ob eine intelligente, adaptive Signalsteuerung den Verkehrsfluss verbessern kann.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um ein Prestigeprojekt. Es geht darum, vorhandene Technik sinnvoll einzusetzen, um alltägliche Probleme zu lösen.
Radwege instand setzen statt Konflikte schaffen
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Verkehrspolitik betrifft die Radwege.
Viele Bürger fragen sich, warum funktionierende Radwege aufgegeben oder Fahrradfahrer zunehmend auf die Fahrbahn geführt werden, obwohl zahlreiche bestehende Radwege sanierungsbedürftig sind.
Unsere Auffassung ist klar:
Wo sichere Radwege vorhanden sind oder geschaffen werden können, sollten diese instand gesetzt und modernisiert werden. Gut ausgebaute Radwege schaffen Sicherheit für Radfahrer und entlasten gleichzeitig den übrigen Verkehr.
Unser Ziel ist nicht ein Gegeneinander von Auto- und Radverkehr, sondern ein vernünftiges Miteinander.
Mehr Daten – weniger Bauchgefühl
Verkehr verändert sich ständig. Neue Wohngebiete entstehen, Gewerbeflächen wachsen, Pendlerströme verändern sich. Deshalb genügt es nicht, Entscheidungen auf Grundlage alter Verkehrszählungen zu treffen.
Wir möchten, dass die Verkehrsplanung in Stuhr künftig stärker datenbasiert erfolgt.
Moderne Sensorik, digitale Verkehrsanalysen und aktuelle Verkehrszählungen ermöglichen heute eine wesentlich genauere Bewertung als noch vor wenigen Jahren.
Wer den Verkehr verbessern möchte, muss zunächst verstehen, wie sich der Verkehr tatsächlich entwickelt.
Unser Ziel: Eine Gemeinde, die funktioniert
Das Bürgerforum Stuhr möchte Verkehr nicht verhindern – wir möchten Verkehr intelligent organisieren.
Unser Ziel ist eine Gemeinde,
• in der Pendler schneller zur Arbeit kommen,
• in der Kinder sichere Schulwege haben,
• in der Unternehmen zuverlässig planen können,
• in der Rettungsfahrzeuge ohne Zeitverlust ihr Ziel erreichen,
• und in der moderne Technik dort eingesetzt wird, wo sie den Menschen konkret hilft.
Stuhr braucht keine Verkehrspolitik nach dem Prinzip „mehr vom Gleichen“. Stuhr braucht ein modernes, faktenbasiertes Verkehrskonzept, das den Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird.
Unser Vorschlag
Wir werden uns dafür einsetzen,
• die Verkehrsströme in der gesamten Gemeinde neu untersuchen zu lassen,
• die Kreuzung Groß Mackenstedt als Pilotstandort für eine intelligente Verkehrssteuerung zu prüfen,
• bestehende Radwege vorrangig zu sanieren und auszubauen,
• alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt in die Verkehrsplanung einzubeziehen,
• und moderne digitale Lösungen konsequent zu nutzen.
Denn eines ist sicher:
Der Verkehr in Stuhr wird in den kommenden Jahren nicht weniger werden. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob wir handeln – sondern ob wir den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Das Bürgerforum Stuhr steht für diesen neuen Weg: sachlich, technologieoffen und mit dem klaren Ziel, die Lebensqualität in unserer Gemeinde nachhaltig zu verbessern.