Mein Name ist Jörn Stahmann, ich bin 55 Jahre alt und lebe seit über 21 Jahren in Stuhr-Brinkum. Ich bin verheiratet und wir haben einen 9-jährigen Sohn.
Ich bin gelernter Industriekaufmann und seit über 32 Jahren in verschiedensten Positionen in einem mittelständischen Industriebetrieb in Achim-Uphusen tätig.
Politisch habe ich mich nie zu irgendeiner Partei wirklich zugehörig gefühlt und deswegen habe ich auch im Bürgerforum die passenden Mitstreiter für mich gefunden. Keine Parteilinie die eingehalten werden muss. Jeder kann frei seine Meinung äußern und wir diskutieren das „Für und Wider“ einzelner Themen ganz offen, ohne irgendwelche Ideologien in den Vordergrund zu rücken – was ist das Beste für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Stuhr? Natürlich braucht eine Gemeinde wie Stuhr entsprechende Vertreter, die die wichtigen Themen erörtern und vorbereiten. Die letztendliche Entscheidung sollte aus meiner Sicht dann aber nicht bei den gewählten Vertretern liegen, sondern basisdemokratisch abgestimmt werden – ähnlich wie in der Schweiz.
Ein schönes aktuelles Beispiel hatten wir gerade in Hamburg. Die Politik wollte gerne eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 abgeben, aber 54,9% der Bürger haben dagegen gestimmt. Die Politik sah die magische Geldquelle mit der man viele Fehler der Vergangenheit bez. verschlafener Infrastrukturmaßnahmen, fehlenden Sportstätten etc. hätte kaschieren können – das Volk sah es anders! Das ist für mich das Verständnis einer lebendigen und direkten Demokratie.
Jörn Stahmann – das ist mir ein persönliches Anliegen
Warum ich mich politisch engagieren möchte?
Als berufstätiger Familienvater mit einem neunjährigen Sohn ist mein Alltag gut ausgefüllt. Nach einer weiteren Aufgabe habe ich deshalb nicht gesucht. Politisch war ich nie fest verankert und habe viele Entscheidungen als gegeben hingenommen - oft ohne das Gefühl, wirklich gehört zu werden oder mit meiner Wahlentscheidung Wesentliches beeinflussen zu können.
Als ich Anfang 2026 mit dem Bürgerforum Stuhr e.V. in Kontakt kam, änderte sich meine Sichtweise. Die zunehmende gesellschaftliche Spaltung in politische Lager beschäftigt mich. Der Ansatz der Basisdemokratie hat deshalb einen Nerv bei mir getroffen: Warum nicht dort Einfluss nehmen, wo Politik unmittelbar erlebbar ist - auf kommunaler Ebene?
Erziehung ist keine Demokratie - Politik schon
Erziehung und Politik haben eines gemeinsam: Entscheidungen sollten nachvollziehbar und respektvoll vermittelt werden. Dennoch gibt es einen wesentlichen Unterschied. Eine Familie ist kein Parlament, und Erziehung ist keine Demokratie.
Kinder dürfen Fragen stellen, ihre Meinung äußern und altersgerecht an Entscheidungen beteiligt werden. Am Ende tragen jedoch die Eltern die Verantwortung für ihre Sicherheit, ihr Wohlergehen und ihre Entwicklung. Deshalb müssen sie Grenzen setzen und Entscheidungen treffen, auch wenn das Kind damit nicht einverstanden ist. Nicht jede Regel kann immer wieder neu verhandelt werden.
In der Politik gelten andere Maßstäbe. Politisch Verantwortliche handeln aufgrund eines zeitlich begrenzten demokratischen Auftrags. Bürgerinnen und Bürger sind mündig und haben ein Recht auf Information, Kritik, Beteiligung und Kontrolle.
Politischer Widerspruch ist keine Störung, sondern ein notwendiger Bestandteil der Demokratie. Gewählte Vertreterinnen und Vertreter handeln im Auftrag der Bevölkerung und müssen Rechenschaft über ihre Entscheidungen ablegen. Erziehung braucht verantwortungsvolle Führung - Demokratie braucht Transparenz, Kontrolle und offenen Dialog.
Wenn Nachfragen als Störung empfunden werden
Bürgerinnen und Bürger haben ein berechtigtes Interesse daran, zu erfahren, wie kommunale Entscheidungen zustande kommen, welche Argumente berücksichtigt wurden und welche Folgen zu erwarten sind. Werden Nachfragen abgeblockt, oberflächlich beantwortet oder als unangemessene Kritik dargestellt, entsteht der Eindruck, dass Transparenz und Beteiligung nicht erwünscht sind.
Zeitdruck, personelle Engpässe, rechtliche Grenzen oder unklare Zuständigkeiten können eine schnelle oder vollständige Antwort erschweren. Das sollte jedoch verständlich erklärt werden. Ausweichende Antworten, bloße Verweise oder Schweigen schaffen Misstrauen.
Ein konstruktiver Umgang mit Nachfragen bedeutet nicht, dass jede Entscheidung zurückgenommen oder jede Forderung erfüllt werden muss. Auch eine ablehnende Antwort kann sachlich, respektvoll und nachvollziehbar sein. Gerade auf kommunaler Ebene sollte die Nähe zwischen Politik, Verwaltung und Bevölkerung genutzt werden, um Missverständnisse zu vermeiden und Konflikte zu entschärfen.
Fehlt dieser Dialog dauerhaft, wächst die Distanz zur Politik. Manche Menschen ziehen sich zurück, andere suchen neue Wege, ihre Interessen einzubringen. Politikverdrossenheit ist deshalb nicht nur ein Problem der Bevölkerung, sondern auch ein Warnsignal an die politisch Verantwortlichen.
In diesem Zusammenhang bietet das Bürgerforum Stuhr e.V. eine Möglichkeit, Bürgerinnen und Bürgern eine gemeinsame Stimme zu geben, den Austausch zu fördern und kommunale Entscheidungen transparenter zu machen - unabhängig von ideologischen Vorgaben oder parteipolitischen Bindungen. Mangelnde Kommunikation muss nicht zum Rückzug führen. Sie kann auch der Anlass sein, sich zu organisieren und für mehr Beteiligung und Bürgernähe einzusetzen.
Social Media, Hetze und ein vernünftiges Miteinander
Soziale Medien ermöglichen es, Informationen schnell zu verbreiten, Meinungen auszutauschen und Menschen miteinander zu vernetzen. Gleichzeitig führen Distanz und vermeintliche Anonymität häufig dazu, dass politische Diskussionen schärfer und persönlicher werden.
Kritik und unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie. Aus sachlicher Kritik dürfen jedoch keine Beleidigungen, Unterstellungen, Drohungen oder gezielte Hetze werden. Persönliche Angriffe lösen keine Probleme, sondern verhärten Fronten und können Menschen aus öffentlichen Debatten verdrängen.
Auch ungeprüfte Behauptungen und verkürzte Darstellungen tragen zur Eskalation bei. Deshalb trägt jeder Verantwortung für das, was veröffentlicht, kommentiert oder geteilt wird. Informationen sollten geprüft und Gerüchte nicht weiterverbreitet werden.
Ein vernünftiges Miteinander verlangt nicht, Konflikte zu vermeiden oder auf deutliche Kritik zu verzichten. Man kann einer Aussage oder Entscheidung entschieden widersprechen, ohne den Menschen dahinter herabzuwürdigen. Dazu gehört, andere Sichtweisen anzuhören, Missverständnisse zu klären und eigene Fehler einzugestehen.
Meinungsfreiheit schützt auch unbequeme Ansichten, ist aber kein Freibrief für Beleidigungen, Bedrohungen oder Menschenfeindlichkeit. Für politische Diskussionen sollte deshalb ein einfacher Grundsatz gelten: hart in der Sache, fair im Ton und respektvoll gegenüber den Menschen.
Mein Wunsch für Stuhr:
Mehr Transparenz
Mehr Kommunikation
Mehr Basisdemokratie
Jörn Stahmann
Bürgerforum Stuhr e.V.