Ausgangslage und Problemverständnis
Wenn wir über Fachkräftemangel sprechen, wird die Debatte häufig verkürzt geführt. Es geht dann um offene Stellen oder fehlende Bewerbungen. Das ist nicht falsch, aber es beschreibt nur die Oberfläche.
Der eigentliche Punkt liegt tiefer. Der Arbeitsmarkt in Stuhr ist nicht mehr in der Lage, sich selbst zu reproduzieren.
Demografische Entwicklung
Um das zu verstehen, muss man zunächst die demografische Entwicklung betrachten. Stuhr steht – wie viele Umlandgemeinden – vor einer klaren Verschiebung. Heute leben in der Gemeinde etwa 6.500 bis 7.000 Menschen im Rentenalter. Bis 2035 wird diese Zahl auf rund 9.000 bis 10.000 ansteigen. Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren zusätzlich 2.500 bis 3.000 Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden.
Gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Daraus ergibt sich eine einfache, aber folgenreiche Bewegung: Es gehen mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt heraus, als nachrücken.
Jährlicher Bedarf an Arbeitskräften
Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, wie viele Menschen Stuhr pro Jahr benötigt, um wirtschaftlich stabil zu bleiben. Die Antwort ist klar. Rund 380 Arbeitskräfte müssen pro Jahr ersetzt werden. Dahinter stehen Renteneintritte, berufliche Veränderungen, Abwanderung und andere Formen des Ausscheidens. Diese Zahl beschreibt nicht Wachstum, sondern lediglich den Erhalt des heutigen Zustands.
Schulabgänger und reale Verfügbarkeit
Auf den ersten Blick scheint diese Größenordnung durch die rund 300 Schulabgänger pro Jahr abgedeckt zu sein. Doch diese Zahl ist trügerisch. Die schulische Struktur zeigt, dass etwa die Hälfte eines Jahrgangs das Abitur erreicht. Ein großer Teil dieser Gruppe entscheidet sich anschließend für ein Studium, häufig außerhalb der Region. Die unmittelbare Verfügbarkeit für den lokalen Arbeitsmarkt ist daher deutlich geringer, als es die Gesamtzahl der Schulabgänger vermuten lässt.
Realistisch verbleiben aus einem Jahrgang etwa 160 bis 180 Personen, die grundsätzlich für Ausbildung und Beschäftigung vor Ort infrage kommen. Diese Zahl verteilt sich zudem auf alle Bereiche, vom Handwerk über Dienstleistungen und Industrie bis hin zur Pflege und zum öffentlichen Sektor. Berücksichtigt man Übergänge, weiterführende Qualifikationen und individuelle Entscheidungen, reduziert sich die tatsächlich verfügbare Zahl weiter auf etwa 130 bis 160 Personen pro Jahr.
Strukturelles Ungleichgewicht
Damit ist die Ausgangslage eindeutig. Bereits heute fehlen in Stuhr jedes Jahr etwa 220 bis 250 Arbeitskräfte. Diese Lücke ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern Ausdruck eines strukturellen Ungleichgewichts.
Dynamik bis 2035
Entscheidend ist, dass sich diese Situation weiter verschärfen wird. Bis zum Jahr 2035 wirken mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen nach und nach das Rentenalter, wodurch jährlich zusätzlich 30 bis 50 Menschen mehr aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Gleichzeitig werden die nachrückenden Jahrgänge kleiner, was zu einem weiteren Rückgang von 10 bis 30 Personen pro Jahr führt. Hinzu kommt der steigende Bedarf im Pflegebereich, der sich aus der alternden Bevölkerung ergibt und einen zusätzlichen Bedarf von etwa 10 bis 20 Arbeitskräften pro Jahr erzeugt.
Damit verschiebt sich das Gesamtbild deutlich. Der jährliche Bedarf steigt von heute rund 380 auf künftig etwa 420 bis 450 Arbeitskräfte. Gleichzeitig sinkt das, was tatsächlich nachkommt, eher auf 120 bis 150 Personen pro Jahr. Daraus ergibt sich perspektivisch eine jährliche Lücke von 270 bis 330 Arbeitskräften.
Ausbildungsplätze und Systemgrenzen
Vor diesem Hintergrund wird auch deutlich, warum die Diskussion über unbesetzte Ausbildungsplätze allein nicht ausreicht. Bereits heute bleiben 60 bis 140 Ausbildungsplätze pro Jahr unbesetzt, perspektivisch eher 80 bis 160. Doch selbst eine vollständige Besetzung würde die strukturelle Lücke nicht schließen. Sie ist größer als das Ausbildungssystem.
Schleichender Verlust von Ausbildungskapazitäten
Hinzu kommt ein weiterer Effekt, der in keiner Statistik vollständig sichtbar wird. Ein Teil der Ausbildungsleistung verschwindet bereits. Betriebe finden keine Nachfolger, ziehen sich zurück oder entscheiden sich, nicht mehr auszubilden. Damit gehen nicht nur Ausbildungsplätze verloren, sondern auch zukünftige Fachkräfte.
Diese Entwicklung verläuft nicht abrupt, sondern schleichend. Ein Betrieb reduziert, ein anderer gibt auf, ein dritter wächst nicht mehr. Im Pflegebereich wird das schneller sichtbar, weil es unmittelbar die Versorgung betrifft. Im Mittelstand zeigt es sich leiser, aber mit ebenso weitreichenden Folgen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
Langfristige Auswirkungen
Wenn man diese Dynamik über mehrere Jahre betrachtet, wird die Größenordnung greifbar. Nach fünf Jahren fehlen über 1.000 Arbeitskräfte, nach zehn Jahren 2.500 bis 3.000. Das entspricht in etwa dem Rückgang der Erwerbsbevölkerung, der ohnehin zu erwarten ist.
Diagnose
Damit ist die Diagnose eindeutig. Der Fachkräftemangel in Stuhr ist kein kurzfristiges oder konjunkturelles Problem. Er ist strukturell bedingt und baut sich Jahr für Jahr weiter auf. Es wird mehr Substanz verbraucht, als neu entsteht.
Grenzen klassischer Lösungsansätze
Aus dieser Entwicklung ergibt sich eine klare Konsequenz. Weder das bestehende Schulsystem noch innerdeutscher Zuzug werden ausreichen, um diese Lücke zu schließen. Die verfügbaren Jahrgänge sind begrenzt, und auch andere Regionen stehen unter dem gleichen Druck. Zuzug verlagert das Problem häufig nur, anstatt es zu lösen.
Neue Rolle der Gemeinde
Damit verändert sich die Rolle der Gemeinde grundlegend. Sie kann sich nicht mehr darauf beschränken, Entwicklungen zu begleiten oder Rahmenbedingungen zu verwalten. Sie muss beginnen, aktiv zu gestalten.
Dabei geht es nicht darum, den Markt zu ersetzen. Es geht darum, dort Struktur zu schaffen, wo der Markt allein nicht mehr zuverlässig liefert, und Entwicklungen überhaupt erst möglich zu machen.
Beispiel kommunale Entwicklung
Ein anschauliches Beispiel ist das Fahrradkonzept der Gemeinde. Dort wurde nicht einfach abgewartet, sondern eine Richtung vorgegeben, Infrastruktur aufgebaut und eine Entwicklung angestoßen. Genau dieser Ansatz ist übertragbar – allerdings mit einer entscheidenden Klarstellung. Nicht als Regulierung oder Begrenzung, sondern als Initialzündung für Entwicklung.
Grenzen klassischer Investorenlogik
Die klassische Logik vieler kommunaler Entwicklungen ist einfach. Die Gemeinde stellt Flächen bereit, schafft die grundlegende Infrastruktur und überlässt die Umsetzung Investoren. Diese entscheiden dann im Rahmen von Marktmechanismen, ob sich Projekte realisieren lassen.
Dieses Modell funktioniert nur, solange Nachfrage und Rahmenbedingungen stabil sind. In einer Situation, in der Fachkräfte fehlen, Nachfrage unsicherer wird und Standorte stärker miteinander konkurrieren, reicht das nicht mehr aus.
Neue Aufgaben der Gemeinde
Nicht alles, was für einen Standort notwendig ist, entsteht von allein. Und nicht alles, was sinnvoll ist, ist kurzfristig investorenfähig. Daraus ergibt sich eine neue Aufgabe für die Gemeinde. Sie muss Entwicklungen stärker vorbereiten, strukturieren und in Teilen selbst anstoßen. Nicht als Ersatz für private Investitionen, sondern als Voraussetzung dafür, dass diese überhaupt stattfinden können.
Bedeutung der Ortskerne
Besonders deutlich wird das in den Ortskernen. Hier entscheidet sich, ob ein Standort als lebenswert wahrgenommen wird oder nicht. Nutzungsmischung, Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit und wirtschaftliche Aktivität greifen ineinander. Wenn diese Faktoren nicht aktiv gedacht und organisiert werden, entstehen sie nicht automatisch.
Struktur und Verlässlichkeit
Ein Teil der künftigen Entwicklung muss daher stärker von der Gemeinde selbst strukturiert werden. Nicht im Sinne von Kontrolle, sondern im Sinne von Klarheit, Richtung und Verlässlichkeit.
Verfahren und Geschwindigkeit
Dabei wird auch deutlich, dass einzelne Themen nicht isoliert betrachtet werden können. Die Gemeinde kann das Baurecht nicht verändern, aber sie kann Verfahren steuern, Prioritäten setzen und Entscheidungen beschleunigen. Für Investitionen ist nicht die Regel entscheidend, sondern ihre Verlässlichkeit und Geschwindigkeit.
Standortpolitik als aktive Aufgabe
Gleichzeitig ist bei Gewerbeflächen nicht die Knappheit das zentrale Problem. Entscheidend ist, ob die Nachfrage nach Ansiedlungen stabil bleibt und ob die richtigen Unternehmen den Standort wählen. Damit wird Standortpolitik zu einer aktiven Aufgabe.
Kernentscheidung
Am Ende läuft alles auf eine klare Entscheidung hinaus. Die Zahlen lassen keinen Spielraum für Interpretation. Bereits heute fehlen in Stuhr jährlich 220 bis 250 Arbeitskräfte. Bis 2035 steigt diese Lücke auf 270 bis 330 pro Jahr.
Die Frage ist nicht mehr, ob Fachkräfte fehlen werden. Sie fehlen bereits, und sie werden jedes Jahr mehr fehlen.
Die Frage ist, wie damit umgegangen wird.
Ob Stuhr beginnt, seine Entwicklung aktiv zu gestalten – oder ob diese Entwicklung einfach weiterläuft.
Denn genau daran entscheidet sich, ob die wirtschaftliche Substanz erhalten bleibt – oder Stück für Stück verloren geht.
Zwei wesentliche Faktoren zur Dynamisierung einer positiven Entwicklungsrichtung
Unsere Schulen müssen nicht nur eine TOP-Bausubstanz haben, sondern auch zu einem TOP-Bildungsprodukt avancieren.
Es muss auch durch die Gemeinde, obwohl sie „nur“ Schulträger ist, gemeinsam mit dem Lehrkörper analysiert werden, ob die Ausstattung den Anforderungen von heute genügt. In einer IT-dominierten Zeit ist zu prüfen, wie viele PCs tatsächlich für die Arbeit zur Verfügung stehen und wie es um den Informatikunterricht bestellt ist.
Da hier schnell – und vermutlich berechtigt – der Hinweis auf einen Lehrermangel kommt, ist zu überlegen, welche Unternehmen in Stuhr in den Bereichen IT, Robotik oder KI tätig sind und welche Mitarbeiter dort Interesse haben, im Rahmen von Public-Private-Partnerships zukunftswichtige Inhalte in Arbeitsgemeinschaften zu vermitteln.
Das Gleiche gilt für die Hardware. In Unternehmen werden jedes Jahr Rechnerkapazitäten ersetzt, die im Schulbetrieb weiterhin sinnvoll eingesetzt werden können – selbst dann, wenn sie dazu dienen, sie auseinanderzubauen und das Innenleben der Geräte zu verstehen.
Makerspaces und schulische Zusammenarbeit
Ein wesentlicher Hebel zur Stärkung des Fachkräftepotenzials liegt darüber hinaus in der Einführung von Makerspaces an Schulen, verbunden mit einer gezielten Zusammenarbeit über Schulformen hinweg. Makerspaces ermöglichen praxisorientiertes Arbeiten und schaffen Räume, in denen Schülerinnen und Schüler unabhängig vom Bildungsgang gemeinsam an konkreten Projekten arbeiten. In der Gemeinde Stuhr bietet sich hierfür insbesondere die Verzahnung der verschiedenen Schulzweige innerhalb der KGS Brinkum sowie die Zusammenarbeit mit der Lise-Meitner-Schule an.
Internationale Zusammenarbeit
Darüber hinaus eröffnet sich eine zusätzliche strategische Dimension durch die Einbindung internationaler Partner. Im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Écommoy können gemeinsame Projekte zwischen deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern entwickelt werden – praxisnah, digital unterstützt und mit direktem Bezug zur Arbeitswelt.
Einordnung und Zielgruppe
Ein zentraler Punkt ist dabei die richtige Einordnung. Wer meint, solche Ansätze seien vor allem für Abiturienten gedacht, greift zu kurz. Das Gegenteil ist der Fall. Europa darf kein Projekt bleiben, das sich auf akademische Programme beschränkt. Die praktische Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ist genauso relevant für den Tischlergesellen oder den Maurermeister von morgen.
Umsetzung durch Public Private Partnerships
Ebenso entscheidend ist die Frage der Umsetzung. Im Rahmen von Public-Private-Partnership-Ansätzen geht es nicht darum, umfangreiche zusätzliche Mittel für neue Ausstattung bereitzustellen, sondern darum, vorhandene Kapazitäten intelligent zu nutzen.
Das bedeutet konkret, dass praktische Arbeit sowohl in schulischen Makerspaces als auch direkt in Betrieben stattfindet. Je nach Aufgabenstellung werden Arbeitsschritte zwischen Schule und Unternehmen aufgeteilt, und vorhandene Maschinen, Werkstätten sowie technisches Know-how werden gemeinsam genutzt.
Damit entsteht ein flexibles System, das Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt.
Erwartung an die Wirtschaft
Gleichzeitig ergibt sich daraus eine klare Erwartung an die regionale Wirtschaft. Betriebe, die den Fachkräftemangel beklagen, müssen aktiv Teil der Lösung werden. Die Einbindung in schulische Projekte ist keine Zusatzbelastung, sondern eine Investition in die eigene Zukunft.
Denn diese Zusammenarbeit bietet konkrete Vorteile. Sie ermöglicht frühzeitigen Kontakt zu potenziellen Auszubildenden, eröffnet die Möglichkeit, eigene Anforderungen direkt einzubringen, und fördert die Entwicklung neuer Ideen und Lösungsansätze im Austausch mit jungen Menschen.
Bedeutung von Kommunikation
Neben der Technik gibt es einen Punkt, der über das bisher Gesagte hinausgeht und ihm vorangestellt werden muss. Junge Menschen müssen die Kommunikation wieder entdecken und die Fähigkeit entwickeln, verbindlich zu kommunizieren. E-Mails und WhatsApp sind Plattformen der Mitteilung, aber sie bleiben kalt und schaffen dort Distanz, wo Nähe und Verbundenheit notwendig sind, um Verlässlichkeit, Pflichtgefühl und gegenseitiges Vertrauen entstehen zu lassen.
Innovationspotenziale
Nicht selten entstehen aus solchen Projekten Impulse, die über die Ausbildung hinausgehen und Ansätze für zukünftige Produkte oder Dienstleistungen liefern.
Makerspaces fungieren damit als verbindendes Element zwischen Bildung, Wirtschaft und internationaler Zusammenarbeit – mit direktem Nutzen für alle Beteiligten.
Ein System aus Makerspaces, verbunden mit verbindlicher Kommunikation und den daran geknüpften Werten, ermöglicht über Bildungsschichten hinweg die Entwicklung des eigenen Selbstwertgefühls in dem Maße, in dem es gebraucht wird, um das alte sozialdemokratische Aufstiegsversprechen im Sinne Schmidts und Schröders zu realisieren.
Gesellschaftliche Strukturen und Jugendarbeit
Neben Schule, Wirtschaft und internationaler Zusammenarbeit spielt das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde eine zentrale Rolle für die Entwicklung junger Menschen.
Vereine, Sportvereine, Schützenvereine, Musikgruppen, die Landjugend sowie die Jugendsozialarbeit leisten bereits heute einen entscheidenden Beitrag zur sozialen Prägung, zur Verantwortungsübernahme und zur Integration.
Ein konkretes Beispiel aus Moordeich verdeutlicht jedoch die bestehenden strukturellen Defizite: Vor rund zwei Jahren wurde im Biotop eine Parkbank durch illegal gezündetes Feuerwerk in Brand gesetzt – mit der realen Gefahr, dass das Feuer auf eine ganze Baumreihe hätte übergreifen können. Im Zuge der Auseinandersetzung mit den beteiligten Jugendlichen wurde deutlich, dass solche Probleme nicht durch Polizei allein gelöst werden.
Der Versuch, unter Einbeziehung des TV Stuhr sowie des Jugendsozialdienstes eine gemeinsame Lösung zu entwickeln, zeigte schnell die Grenzen des Systems auf. Statt eines koordinierten Vorgehens standen Fragen zu Arbeitszeiten, Zuständigkeiten und Kapazitäten im Vordergrund. Auch wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Schule und Vereinsstrukturen vor Ort nicht reibungslos funktioniert.
Ein angedachtes gemeinsames Treffen aller Beteiligten kam nicht zustande; die Schulleitung der Lise-Meitner-Schule sagte unter Verweis auf fehlende zeitliche Ressourcen ab.
Strukturelle Widersprüche in der Förderung
Gleichzeitig zeigt sich ein struktureller Widerspruch: Auf der einen Seite werden neue Angebote der Jugendsozialarbeit geschaffen, auf der anderen Seite bleiben bestehende Einrichtungen ungenutzt. Sportstätten – wie etwa der Tennisplatz in Moordeich – stehen leer oder sind in keinem ausreichenden Zustand, während parallel zusätzliche Mittel in neue Strukturen fließen.
Vereinen fehlt es häufig an Trainern und aktiver Unterstützung, um junge Menschen für Sport und Gemeinschaft zu gewinnen und langfristig zu binden. Statt vorhandene Strukturen zu stärken, wird an anderer Stelle versucht, mit zusätzlichen pädagogischen Angeboten korrigierend einzugreifen.
Diese Form der nachgelagerten „Sozialreparatur“ ist nicht nur kostenintensiv, sondern führt auch nicht in allen Fällen zu den gewünschten Ergebnissen.
Dies mag zunächst wie eine einzelne Beobachtung aus Moordeich erscheinen, ist aber zugleich die Aufforderung an die Kommunalpolitik, die Verwendung von Mitteln stärker an den Zielen der Jugendarbeit auszurichten.
Frühe Prägung und Orientierung
Im Kern ist es der Auftrag an uns alle, Kinder frühzeitig an Sport im Allgemeinen heranzuführen, damit sie in den prägenden Jahren der Pubertät Orientierung haben und fest in sinnstiftende soziale Strukturen eingebunden sind.
Eigene Grenzen im Sport zu erfahren und sie im besten Fall zu überwinden, schafft nicht nur eine positive Lebenserfahrung – es ist die Grundlage für eine gesunde Gemeindestruktur der Zukunft.
Ansatz des BürgerForums
Genau hier setzt das BürgerForum mit seinen Kandidaten an: über solche sozialen Netzwerke junge Menschen zu fördern, sie auf positive Weise an unsere Gemeinschaft zu binden und das gesamte Gefüge nachhaltig auf ein neues Niveau zu heben.
Wer die gemachten Punkte in das Reich der Theorie verbannen möchte und fragt, wie wir das alles schaffen wollen, dem muss die Gegenfrage gestellt werden: Was ist Ihr Beitrag, damit es gelingt? Oder ist Ihr Beitrag im Umkehrschluss, es zu verhindern?
Globale Perspektive als Lösung von außen
Während der vorstehende Aspekt die Frage behandelt, wie wir Schule vor Ort denken und entwickeln können, damit die Leistungsfähigkeit unserer Schülerinnen und Schüler auf Zukunft ausgerichtet wird und vor Ort viele Möglichkeiten entstehen, gibt es einen zweiten Aspekt: die Lösung von außen.
Viele sagen heute, das Zeitalter der Globalisierung sei vorbei. Das ist falsch. Die Macht- und Einflusssphären verändern sich. Während wir früher im Rahmen eines eurozentrischen Systems von günstigen Arbeitskosten in Asien, Afrika oder Südamerika profitieren konnten, sind wir heute einer von vielen Mitspielern auf diesem Feld – ohne die Regeln noch maßgeblich bestimmen zu können.
Globalisierung funktioniert in der Praxis jedoch weiterhin nach einem einfachen Prinzip: Man denkt global, vernetzt sich entsprechend und nutzt diese Verbindungen, um vor Ort konkrete Aufgaben zu lösen und Herausforderungen zu bestehen. Im Rahmen dieser Systematik stehen einer Gemeinde wie Stuhr viele Türen offen, die konsequent genutzt werden können, um lokale Ziele umzusetzen – ohne auf Entscheidungen aus Hannover, Berlin oder Brüssel warten zu müssen.
Attraktivität des Standortes
Das Fundament unseres Systems ist jedoch nach wie vor so stabil und attraktiv, dass es Menschen aus anderen Ländern und Erdteilen anzieht. Gerade eine Gemeinde wie Stuhr hat – über die reine Arbeitswelt hinaus – sehr viel zu bieten, das leistungsorientierten Menschen, die ihren eigenen Aufstieg organisieren wollen, eine echte Heimat bieten kann.
Dieses Potenzial muss ohne weitere zeitliche Verzögerung konkret genutzt werden. Dabei wird der notwendige Paradigmenwechsel im kommunalpolitischen Ansatz des Bürgerforums in Stuhr besonders deutlich: weg vom reinen Zuständigkeits- und Verfahrensdenken, hin zur klaren Verantwortung für das Ergebnis und die Frage, wie dieses konkret gestaltet werden kann.
Einordnung von Unterstützungsmaßnahmen
Das Beispiel der Digitalveranstaltung zur Pflege zeigt jedoch auch, dass man in kommunaler Verantwortung genau hinsehen muss, wo tatsächlich ein Problem besteht und wo Unterstützung unabdingbar ist – und wo vermeintliche Problemstellungen eher dazu dienen, finanzielle Eigenvorteile zu sichern oder zu verbessern soll. Am Ende geht es nicht nur um die Fachkraft um den Pflegebetrieb, sondern auch um den Kunden, den zu Pflegenden und die tatsächliche Leistung und Qualität des Dienstes der erbracht wird.
Migration als strategischer Ansatz
Wenn dieses Grundsatzpapier davon spricht, dass das Potenzial der Globalisierung ohne Verzögerung zu nutzen ist, dann ist es ein uneingeschränktes Plädoyer für die Förderung von Migration auf Basis der Bedürfnisse unserer Gesellschaft – zugleich aber auch vor dem Hintergrund gelingender Integration. Mit einem sinnstiftenden Konzept von Migration kann Stuhr dazu beitragen, auf der Erfolgsspur zu bleiben. Die bedeutendsten Migrationsgesellschaften dieses Planeten gründeten ihren Erfolg einst auf Migration, Freiheit, Demokratie und Aufstieg. Genau darum geht es auch heute noch.
Deutschland als Einwanderungsland
Nur dass Deutschland in der heutigen Situation und Verfassung zum Einwanderungsland geworden ist. Das Bekenntnis dazu setzt jedoch voraus, einen Rahmen zu schaffen, der sowohl von den Menschen, die kommen, akzeptiert wird als auch von denen, deren Heimat Stuhr bereits ist.
Rolle des BürgerForums
Das Bürger Forum und seine Mitglieder haben in dieser Struktur zahlreiche Kompetenzen und Fähigkeiten, die – mit Kommunalwahl oder ohne, mit Mehrheiten oder ohne – vollumfänglich in den Dienst der Gemeindeentwicklung gestellt werden.
Konkretes Angebot an die Wirtschaft
Konkret geht es hier um ein Angebot: ein System an alle Unternehmen und Unternehmer, die die Ausbildungslücke – also das Fehlen von Personal – durch die Ausbildung von Fachkräften aus dem Ausland ohne Verzögerung nutzen wollen.
Wir bitten Sie, uns aufzugeben, in welchen Berufen Sie ausbilden wollen und wie viele Auszubildende Ihnen fehlen oder konkret benötigt werden. Diese Informationen benötigen wir bis Ende Juli 2026.
Im Rahmen unseres globalen Netzwerkes können wir Ihnen konkret Auszubildende für August 2027 vermitteln. Das heißt: Nach Meldung Ihres konkreten Bedarfes würden wir Ihnen entsprechende Bewerberprofile vorlegen, insbesondere von jungen Menschen aus den Philippinen.
Sie können dann Bewerbungsgespräche führen, vornehmlich in englischer Sprache, und prüfen, ob Ihnen der oder die Bewerber zusagen. Im Anschluss werden konkrete Ausbildungsverträge geschlossen.
Die so ausgewählten zukünftigen Auszubildenden absolvieren anschließend in einer zertifizierten Sprachschule einen zehnmonatigen Intensivsprachkurs in Manila, den sie mit einem Deutsch-Sprachniveau von B2 abschließen. Dieses Niveau wird durch einen Sprachtest nachgewiesen.
Sie haben selbstverständlich jederzeit die Möglichkeit, während dieser zehn Monate Kontakt zu Ihrem zukünftigen Auszubildenden aufzunehmen und sich über die sprachlichen Fortschritte zu informieren.
Wir unterstützen Sie zudem bei den entsprechenden Ausbildungsvisa, sodass Sie Ihre Ausbildungsstellen ab August 2027 vollständig besetzen können.
Weitere Einzelheiten können in entsprechenden Gesprächen umfassend geklärt werden.
Skalierung des Modells
Jeder Sprach- und Vorbereitungskurs startet mit 50 Teilnehmern – also 50 neuen Arbeitskräften und jungen Mitbürgern, die sich bewusst für Deutschland und die Gemeinde Stuhr entscheiden werden, um mit uns zu arbeiten, zu leben und unsere Gemeinde zu bereichern.
Schlussfolgerung
Das ist konkrete, nachvollziehbare, ergebnisorientierte Politik, die nicht in der Beschreibung des Problems stecken bleibt, die in wesentlichen Teilen auch unabhängig von Wahlen funktioniert und die hoffentlich klar macht: Es geht um die Zukunft von Stuhr – und letztlich um die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Heimat sowie den Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und des Wohlstands.